Grußwort Oktober
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
»Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der Not. Darum fürchten wir uns nicht …“
Psalm 46,2–3
Ende Oktober rückt der Reformationstag in unseren Blick. Luthers bekanntestes Lied "Ein feste Burg ist unser Gott“ ist angelehnt an diesen Psalm.
Der Psalm 46 verschweigt die Wirklichkeit nicht. Da ist von bebender Erde die Rede, von wankenden Bergen und tobendem Meer. Das sind Bilder für alles, was unser Leben erschüttern kann: Krankheiten, die das Leben plötzlich verändern, Freundschaften, die zerbrechen, Sorgen und Ängste um die Zukunft, die Nachrichten von Krieg und Naturkatastrophen, gesellschaftliche Spannungen und geplante Veränderungen, die mit Kürzungen im Sozialen einhergehen. Vieles, worauf wir gebaut haben, scheint unsicher geworden zu sein. Mitten hinein spricht der Psalm: "Gott ist unsere Zuflucht.“
Martin Luther schrieb dieses Lied nicht in einer Zeit der Ruhe. Sein Leben war von Anfechtungen, Konflikten und Unsicherheiten geprägt. Der Psalm 46 hat ihm so viel Kraft und Mut gegeben, dass er dazu das Lied dichtete »Ein feste Burg ist unser Gott«.
Eine Burg war damals der sicherste Ort, den man sich vorstellen konnte. Wer sich hinter ihren Mauern befand, war in Sicherheit. Luther sagt: Genau das ist Gott für uns: ein Zufluchtsort. Bei Gott sind wir geborgen, wenn unser Leben erschüttert wird.
Besonders deutlich wird das in der zweiten Strophe des Liedes: "Mit unsrer Macht ist nichts getan.“ Das klingt ernüchternd und befreiend zugleich. Diese Worte warnen uns vor Selbstüberschätzung und erinnern, dass wir nicht alles aus eigener Kraft bewältigen können und müssen. Es entlastet uns, unsere Grenzen zu erkennen und die Kontrolle an Gott abzugeben. Wir müssen nicht alles allein tragen. Egal was passiert, ob die Berge ins Meer stürzen oder die Welt turbulent ist, Gott ist da. Das Lied lädt ein, Kraft zu schöpfen und den Glauben als einen unerschütterlichen Halt zu erfahren.
Ihre Angelika Lentz
