Grußwort August

Jahreslosung 2026: Offenbarung 21, 5
 Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
 
Monatsspruch August: Johannes 10,11
Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
 
Liebe Leserinnen und liebe Leser,

in der Ruhe liegt die Kraft… Sie kennen diesen Satz. Sie haben ihn sicher schon vor anderen Menschen ausgesprochen. Oder ihn von anderen Menschen zu hören bekommen. Er kommt so klug daher, dieser Satz: In der Ruhe liegt die Kraft. Und er geht leicht über die Lippen, wenn ich ruhig bin. Ganz anders ist es, wenn es anders in mir aussieht. Wenn ich nicht so empfinde, weil es nicht ruhig in mir ist. Wenn ich ungeduldig bin. Dann kommt mir dieser Satz so geschwätzig und altklug vor. In der Ruhe liegt die Kraft – ja, ja, ich weiß schon.
Und doch ist es so: Wenn wir in uns ruhen – wie man so sagt -, dann fühlen wir uns wohl mit uns selbst. Dann können wir uns annehmen, so wie es gerade um uns steht. Und das wirkt sich zum Beispiel positiv darauf aus, wie gut und zielführend wir unsere Fähigkeiten und Begabungen in unserem Leben einsetzen können. Ja, in der Ruhe finden wir wirklich neue Kraft. Es gelingt halt nicht jederzeit, die Sache mit der Ruhe. Da gibt es keinen Knopf,  den wir einfach drücken könnten. Aber auch wenn das nicht so ist, muss das ja nicht so bleiben. Wir können um Hilfe bitten. Gott um Hilfe bitten. Wir können Hilfe bekommen. Das habe ich in einer ganz alltäglichen Situation erfahren. 
Damals bin ich in den Besitz eines Komboskini gekommen. Eigentlich war der Komboskini gar nicht für mich bestimmt. Ich sollte ihn lediglich jemandem überbringen. Die betreffende Person hatte aber kein Interesse an dem  Komboskini, und so behielt ich ihn. Ein Komboskini ist eine Gebetsschnur, die ursprünglich in der orthodoxen Kirche verwendet wird. Er soll helfen, sich aufs Beten zu konzentrieren, und das geht so: Auf der Gebetsschnur befinden sich Knoten, an denen die Finger entlang »wandern«. Bei jedem Knoten wird das Jesus-Gebet gesprochen: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Fertig. Nächster Knoten: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Fertig. Nächster Knoten. Und so weiter.
Diese Art des Betens habe ich einige Zeit praktiziert. Zuerst habe ich mir bewusst dafür Zeit genommen. Mich quasi dafür hingesetzt und die Worte laut gesprochen. Später »betete es einfach in mir« – beim Autofahren, an der Kasse im Supermarkt, beim Spaziergang. Der Komboskini steckte in meiner Hosentasche und war schnell zur Hand. Auch an jenem Samstagmorgen in der Apotheke. Ich wollte Medikamente abholen und war unter Zeitdruck. Vor mir einige Leute, und es ging einfach nicht vorwärts. Ich spürte, wie ich unruhig, ungeduldig wurde. Da merkte ich in meiner Hand den Komboskini. Und ich begann einfach: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Fertig. Nächster Knoten. Herr, Jesus Christus … Irgendwann war ich an der Reihe. Ich bekam meine Medikamente und ging wieder… ging mit (m)einer Hand voll mit Ruhe.

Ihr Pfarrer Edward Drath