Grußwort Mai

Jahreslosung 2024: 1. Korinther 16,14
Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
 
Monatsspruch Mai: 1. Korinther 6,12
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt,
aber nichts soll Macht haben über mich.
 
 
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Wer ein Stempelkissen hat, ist im Vorteil. Sie können den Finger aufdrücken und dann nach Herzenslust Herzen stempeln. Sie drücken sie auf Türrahmen, Fensterscheiben, Kühlschränke, Küchentische, Urkunden, Computer, Badfliesen (alle!) oderdie Wangen Ihrer Liebsten. Eine Wohnung voller Herzen. Auf die Reaktion dürfen Sie gespannt sein.
 
Aber nun im Ernst. Auch ohne Stempelfarbe hinterlassen wir Fingerabdrücke. Es geht gar nicht anders. Kaum fassen wir etwas an, schwups, schon ist er dran, der Fingerabdruck. Nur welcher wird es sein?
 
Man kann die Dinge ja so oder so anfassen. Mit aller Kraft zum Beispiel. Oder eher mit spitzen Fingern. Oder vielleicht ganz vorsichtig, damit nicht Schaden nimmt, was winzig vor einem liegt. Ich kann aber auch viel kaputt machen, wenn ich etwas anfasse. Und das ist nicht nur eine Frage von Feinmotorik oder Geschicklichkeit.

Bestenfalls bin ich bei dem, was ich tue, was ich also »anfasse«, mit meinem Herz dabei. Dann bin ich echt und ehrlich. Dann stehe ich zu dem, was ich tue. Vielleicht bin ich dabei unbequem, aber doch rücksichtsvoll. Vielleicht tue ich es mit viel Kraft, oder weiß schon zu Beginn, dass ich geduldig sein muss. Manchmal ist es sogar besser, Dinge nicht »anzufassen«, weil es Schaden macht. Auch das Lassen kann man mit Herz (tun).

Paulus bittet am Ende des 1. Korintherbriefes die Christinnen und Christen in Korinth: »Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.« Der Satz liest sich wie eine Zusammenfassung seiner Botschaft, fast wie ein Vermächtnis. Dabei war das Wort »Liebe« zu seiner Zeit weniger romantisch eingefärbt. Paulus hatte nicht die Küsschen und das sich »Um-den- Hals-fallen« im Blick. Um so mehr denkt er an einen fairen Umgang, eine Begegnung auf Augenhöhe, die Achtung der Würde des anderen, die Verständigung, auch über schwierige Themen, das friedvolle Beieinander-Bleiben und Einander-Aushalten.

Etwas in Liebe geschehen lassen, das ist bei Paulus keine Methode, sondern innere Haltung – allem und jedem gegenüber. Die Liebe als Lebenshaltung wird dann zum Charakter. Sie gehört zu mir, so wie mein Fingerabdruck. Daran werde ich erkannt. Dabei muss die Liebe keinesfalls in Harmonie ertränkt werden. Es kann auch kontrovers zugehen – aber mit Respekt und Achtung und Würde.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit und lassen Sie die Dinge im Jahr 2024 mit besonders viel Liebe geschehen!

Ihr Pfarrer Holger Windisch

»Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.«
1. Korinther 16,14 (Jahreslosung)