20. Dezember

Der Wirt

 
K
Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, als Maria und Josef an diesem Tag endlich in Bethlehem ankamen. Nach dieser langen, beschwerlichen Reise waren sie völlig erschöpft und auch ihr Esel war inzwischen immer langsamer geworden. Bei Maria hatten außerdem bereits die ersten Wehen eingesetzt, sodass die drei nun dringend eine Unterkunft für die Nacht benötigten. Und so begannen sie, an die Türen der kleinen Stadt Bethlehem zu klopfen und die Einwohner um Hilfe zu bitten. Doch egal, ob in den Herbergen oder den Wohnhäusern der Menschen, wurden sie abgewiesen. Es waren einfach viel zu viele Menschen in den letzten Tagen und Wochen nach oder durch Bethlehem gekommen, wodurch es keinen Platz mehr für sie zu geben schien. Als sie schließlich etwas verzweifelt an die schmale Holztür eines der letzten Häuser schlugen, öffnete ihnen ein etwas gestresst wirkender, aber dennoch sehr freundlich dreinschauender, älterer Mann. Es war der Wirt einer kleinen Herberge am Rand des Städtchens und auch diese war absolut überfüllt, sodass er sie eigentlich schon wieder weiterschicken wollte. Doch dann fiel ihm Marias dicker Bauch ins Auge und er begann zu überlegen, wie er dem jungen Paar nur helfen könnte.
 
E
Ich bin der Wirt und erinnere mich noch an diese besondere Nacht.
Unsere Herberge war total ausgebucht; sogar die Dienstbodenkammern.
Es gab für uns alle viel zu tun. Mit Einbruch der Dunkelheit klopfte es an die Tür.
Vor mir stand ein aufgeregter junger Mann und auf einem Esel saß eine völlig erschöpfte hochschwangere Frau, die um einen Platz für die Nacht baten.
Doch ich hatte keinen Raum in meiner Herberge und konnte ihnen nur den angrenzenden Stall anbieten, in dem frisches Stroh lag und in der Krippe sogar Heu. Weil ich spürte, dass das Kind bald kommen würde, ließ ich ihnen meine Laterne da. 
Ruhe und Schlaf fand ich in dieser Nacht nicht denn über dem Stall leuchtete ein kometenhafter Stern und im Laufe der Nacht kamen Besucher von nah und fern.
Hätte ich damals gewusst, wer in dieser Nacht geboren wurde - ich hätte ihm mein eigenes Bett gegeben.
Aber ich habe ihm einige Jahre später Raum in meinem Herzen gegeben und den Frieden gefunden, den die Gäste schon damals in meinem Stall bekommen hatten.
 
Cornelia und Friedemann
 
J
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