Passionsgedanken

Gedanken zur Pessachwoche
 
Was soll ich denn machen mit Jesus?
Je länger der Zimmermann vor ihm stand, desto unsicherer wurde der römische Prokurator. Sicher war er als Machtmensch bekannt der über Leichen ging, wenn es galt seinen Vorteil durchzusetzen. Doch was war mit diesem Jesus aus Nazareth? Ohne Zweifel, der Mann hatte Macht. Eine andere Macht, der Pontius Pilatus bisher im Leben nie begegnet war. Das verunsicherte ihn zutiefst.
"Weißt du nicht wem Du gegenüberstehst? Ich habe Macht Dich umzubringen oder Dich freizulassen. Wer bist Du?"
Schweigen.
"Bist Du der König der Juden?"
"Bist Du selbst darauf gekommen oder haben Dir das andere erzählt?"
"So stimmt das also doch? Du bist also ein König!"
"Du sagst es! Ich bin ein König. Wäre mein Reich von dieser Welt würden meine Diener kämpfen, dass ich Dir nicht ausgeliefert werde..."
"Ich finde keine Schuld an ihm." Aber im Tumult gehen diese Worte des Pilatus wohl unter. Schließlich hören wir die Frage: "Was soll ich denn machen mit Jesus?" Das ist die Bankrotterklärung des römischen Statthalters. Wenn dieser sich auch um nichts scherte, das Recht beugte wie es ihm gerade passte: mit diesem Menschen konnte er das nicht tun. Hier begegnete ihm eine Autorität, der er sich schwerlich entziehen konnte.
Und doch ließ er Jesus hinrichten wider besseres Wissen.
 
Da sitze ich im Gottesdienst und höre das Wort. Zum ersten Mal werde ich Sünder genannt. Ich höre es klar: SCHULDIG des Todes. Ich kann mich winden wie ich will. Ja, was soll ich denn machen mit Jesus, den sie den König nennen? Ignorieren lässt er sich nicht. Wenn ich das versuche meldet er sich wieder mit einer sehr unangenehmen Penetranz: Schuldig, ohne jeden Zweifel. Doch dann sehe ich gerade diesen Mann, zerschunden und blutend. Ihm wird das Kreuz brutal auf die Schulter geknallt. Nein! möchte ich schreien, nein, nicht er war's! Ich sehe seinen Blick. Kein Hass nur sehr tiefe Trauer. Unter der sengenden Sonne geht es hinaus aus der Stadt, weg vom Tempel. Hinaus, wo die Schande nicht die Stadt beschmutzt. Und da wird er festgenagelt. Ich vernehme die Hammerschläge, sehe wie das Kreuz mit brutalem Ruck aufgerichtet und in den Boden gerammt wird.
Ich winde mich. Nein, nicht er war's! Ich möchte schreien, bleibe aber stumm... Stimmt, er trug meine Sünde, nahm auf sich meine Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm zu meinem Frieden und durch seine Striemen bin ich geheilt.
"Wir lesen gerade Jesaja 53. Bitte, lies uns dieses Kapitel vor als wäre es für Dich allein geschrieben." Ich schlucke, stottere, habe jede Mühe zu lesen. Zum ersten Mal habe ich keine Möglichkeit dem Geschehen auf Golgatha auszuweichen. Schuldig, s c h u l d i g, S-C-H-U-L-D-I-G!! Dieses Wort gellt in meinen Ohren. Aber er, er, E-R trug die ganze Schuld für mich. Er trug auch meine Schuld hinweg durch seinen Tod am Kreuz. ICH BIN FREI!
 
Willy Hefti über Facebook
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