Grußwort Oktober

Jahreslosung 2020:  Markus 9,24
Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Monatsspruch Oktober: Jeremia 29,7  
Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;
denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser unserer Kirchennachrichten,
„Suchet der Stadt Bestes“ ist ein Satzteil, den die Verantwortlichen der DDR - des „ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“ - uns Pfarrern immer wieder mal gern zitiert haben. Vom zweiten Teil des Satzes aus Jeremia 29,7 hielten sie nicht so viel. „Betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s euch auch wohl.“ Da ahnten die Genossen der SED wohl nicht, welche Kraft Gebete haben können. Ich muss gestehen: Damals im November, als wir Jugendliche mit vielen anderen zehn Tage für den Frieden gebetet haben, hätten wir nicht gedacht, dass in einer demonstrierenden Menschenmenge der Ruf „keine Gewalt“ so einen Widerhall finden könnte, wie es dann 1989 war. Seit den 1980er Jahren etablierte sich die Friedensdekade in der DDR und auf der anderen Seite Deutschlands. Was dann kam, waren bewegende Zeiten. Eine biblische Vision - „Schwerter zu Pflugscharen“ - verbreitete sich und gab vielen Hoffnung und Kraft. Christen und Nichtchristen erfuhren eine Kraft, die letztendlich dazu führte, dass sich ein System mit Staatssicherheit und manchen anderen unterdrückenden Praktiken von Demütigung bis Missachtung vieler Menschenrechte zu Fall brachte. Dass, was ein Funktionär der Staatssicherheit im Film „Nikolaikirche“ ausspricht, bringt es auf den Punkt: „Auf alles waren wir gefasst: Nur nicht auf Kerzen und Gebete“. Der Monatsspruch für den Oktober erinnert uns: Das Beste für die Stadt zu suchen und für die Stadt zu beten, wird Grundlage des Wohlergehens sein. Dreißig Jahre nach der Wende wissen wir, dass wir noch nicht im Himmel angekommen sind. Noch lange ist Gerechtigkeit für alle nicht erreicht. Das Beste ist noch nicht erreicht. Wir sollten aufpassen, dass wir das Gute, das wir bei allem Fehlendem haben, nicht übersehen und Gott dafür danken. Jeremia schreibt an Menschen, die vorerst keine Aussicht haben, dass sie wieder vom fernen Babylon aus der Gefangenschaft zurück in die Heimat nach Jerusalem kommen werden. Gott hat durch diese Worte des Jeremia schon so viel bewirkt. Beim Volk Israel und auch unter uns. Das Gebet bewirkt eine realistische Sicht auf die Welt und die Dinge darin und öffnet zugleich den Blick für Gottes Handeln in dieser Welt.
 
Mit einem Lied aus der Zeit der Wende grüßt Sie herzlich Ihre Kirchgemeinde mit Pfarrer Klaus Urban

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.
 
EG 395,3 Text: Klaus-Peter Hertzsch 1989